Stürmer Steffen Meuer im Porträt

„Da ist noch eine menge Luft nach oben!”
Hätte mir einer vor Fünf, sechs Jahren prophezeit, ich würde mal in der 3. Liga spielen, ich hätte ihn belächelt. Doch als sich 2020 bei Fortuna Düsseldorf und ein Jahr später in Mönchengladbach – jeweils in den zweiten Mannschaften – Perspektiven eröffneten, gab ich alles für die Chance, Profi zu werden”, erzählt Steffen Meuer, der seit Sommer 2023 ein Veilchen ist.

Der 23-jährige Offensivmann hatte nie ein Nachwuchsleistungszentrum besucht und vor vier Jahren noch bei seinem Heimatklub Eisbachtaler Sportfreunde in der fünften Liga gekickt.

Kannten sich aus der Regionalliga West, trafen sich in Aue wieder und sind heute ziemlich beste Kumpel im FCE-Team: Steffen Meuer und Joshua Schwirten; rechts während des Veilchenecho-Interviews.


Der Verein ist in der Westerwaldgemeinde Nentershausen (Rheinland-Pfalz), wo Steffen am 6. Dezember 1999 geboren wurde, zu Hause. Nachdem seine Fußballerlaufbahn bei den Bambinis im benachbarten Ahrbach begonnen hatte, wechselte der Junge bald zu den Eisbachtalern, wo schon Vater Thomas und der ältere Bruder Jannis am Ball waren. Über die Jugendabteilungen entwickelte er sich step by step, die C- und B-Junioren mischten in der Regionalliga mit und Steffen gelang 2018 der Schritt ins Männerteam. In der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar bestritt der junge Stürmer in zwei Jahren 56 Spiele, erzielte dabei 30 Tore. Eine Quote, die bei großen Klubs Interesse weckte. Er wurde 2020 zum Probetraining beim 1. FC Köln eingeladen, dann beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Verlockend, dennoch sollte ein Wechsel überlegt sein: „Ich hatte das Fach-Abi in der Tasche und wollte zur Polizei, alle Tests waren schon bestanden. Bisher hatte ich dreimal pro Woche trainiert, nun jeden Tag, und erstmals wohnte ich fern der Heimat. Doch der Reiz war stärker als die Zweifel. Statt Plan A wagte ich Plan B.” Als Meuer bei der Fortuna Fuß gefasst hatte und im Jahr darauf zum Erstligisten Borussia Mönchengladbach mit noch besseren Rahmenbedingungen ging, stand fest: Jetzt willst du es auch als Profi schaffen! In zwei Saisons für die zweite Mannschaft der Fohlen wurde er in 67 Spielen der Regionalliga West eingesetzt, erzielte 19 Treffer. Eine Liga, die wohl auch Pavel Dotchev und Matthias Heidrich aus eigenem Erleben gut kennen. So bot sich 2023 beim FC Erzgebirge die Gelegenheit für den nächsten Schritt: 3. Liga. „Aue war mir ein Begriff: viele Jahre 2. Bundesliga, große Fanbase, kampfstarkes Team. Die ersten Gespräche per Videokonferenz waren gut und als ich das großartige Stadion selber sah, wollte ich es dort unbedingt probieren.”

Das erste Saisontor war ihm im Hinspiel, gegen den HFC, gelungen. Zufrieden mit dem Einstand bisher, Steffen? „Mit der Zahl der Spiele ja, 23 bisher. Nicht aber mit den fehlenden Startelf-Einsätzen und das eine Tor im Hinspiel gegen Halle ist auch viel zu wenig. Da ist noch eine Menge Luft nach oben.” Andererseits erhalte er in fast jedem Spiel die Chance, sich zu zeigen und spüre großes Vertrauen, von den Trainern ebenso wie im Team oder von den Rängen. Ein besonders enger Kumpel ist Joshua Schwirten, der ebenfalls im letzten Sommer nach Aue kam. Er wurde beim 1. FC Köln ausgebildet und beide kennen sich gut als Kontrahenten in der West-Regionalliga. Steffen erwähnt: „Nach jedem Spiel reden wir ehrlich über unsere Leistungen, bauen uns auf.”

Im Hinspiel in Dresden stand Meuer rund zwanzig Minuten auf dem Platz, so eine Atmosphäre habe er nie zuvor erlebt. „Entsprechend sehr freue ich mich auf die Revanche gegen Dynamo in Aue. Ich hoffe, ich darf der Mannschaft am Sonntag helfen. Man spürt aber auch Verantwortung, denn für unsere Fans sind diese Derbys die wichtigsten Spiele der Saison”, sagt Steffen. Die Dresdner stünden zurecht auf einem Aufstiegsplatz, der Kader habe enorme Qualität, urteilt der 23-Jährige. Allerdings könne in dieser starken 3. Liga jeder jeden schlagen. „Es ist ein Heimspiel und da ist der Anspruch klar: Das wollen wir unbedingt gewinnen. Und mich motiviert zusätzlich, dass mein Vater am Sonntag extra die weite Strecke aus dem Westerwald nach Aue fährt. Auch die Eisbachtaler Sportfreunde dürften den Auern und mir die Daumen drücken.”

In der 80. Spielminute eingewechselt, bot sich Steffen Meuer wenig später die Chance, mit seinem zweiten Saisontor alles klar zu machen gegen den HFC. Leider scheiterte er knapp.

Text/Fotos: Foto-Atelier Lorenz/Steffen Colditz/Olaf Seifert