Im Erzgebirgsmuseum Lesná wird das vergessene Ladung wieder sichtbar

Mit der Vertreibung nahezu der gesamten deutschen Bevölkerung aus dem böhmischen Teil des Erzgebirges verschwanden auch Kultur und Bräuche, ganze Dörfer wurden abgerissen, viele historische Bauwerke verfielen. Doch immer mehr der neuen Bürger, vor allem ihre Kinder und Enkel, entdecken die alten Traditionen ihrer Heimat neu. Ein erfolgreiches Beispiel ist das Erzgebirgsmuseum in Lesná, einem winzigen Ort nahe Most/Brüx und Jirkov/Görkau, der früher Ladung hieß und über 900 Meter hoch liegt.

Nur wenige Häuser blieben erhalten, darunter das heutige Berghotel Lesná, das von tschechischen wie deutschen Touristen rege besucht wird. Zahlreiche Events übers Jahr wie der Sherpa-Lauf im Mai locken zusätzliche Gäste an. Sprachen sich zunächst die exzellente Küche und die herrliche Natur herum, kommen Besucher inzwischen gern ins Erzgebirgsmuseum, das nebenan Stück um Stück entsteht. Initiiert hat es der Horsky Klub Lesná, ein örtlicher Sportverein, wo sich auch das erwähnte Berghotel einbringt. Ziel der Gründer war und ist das Vermitteln gemeinsamer historischer Werte der Volksarchitektur und -kunst sowie der Lebensweise im Raum Seiffen/Lesná. Dabei arbeiten das 2010 eröffnete tschechische Erzgebirgsmuseum im sächsischen Seiffen gut zusammen. Zusammen mit dem Erzgebirgischen Freilichtmuseum Seiffen startete ein gemeinsames Projekt.

Heimatfreunde von jenseits der Grenze unterstützen es, Mittel kommen namentlich aus dem EU-Fonds für regionale Entwicklung.
Erstes Vorhaben in Lesná/Ladung war der originalgetreue Neubau eines erzgebirgischen Bauernhauses, eines sogenannten Stalltyphauses. Hier wurden typische Räume der deutsch-böhmischen Erzgebirger eingerichtet: Küche, Wohnstube, Flur und Dachkammer. Mit Liebe und sachkundig trug man Möbel, Öfen, Haushaltsgeräte, Wäsche, Geschirr, weihnachtliche Artikel, landwirtschaftliches Gerät und vieles mehr zusammengetragen. Zweisprachige Tafeln erzählen Geschichte(n) und vermitteln anhand von Fotos und Dokumenten eine lebendige Vorstellung vom Leben der Menschen vor 1945. Inzwischen entstand ein zweites Erzgebirgshaus, ein mehrstöckiger Fachwerkbau, wo Seminare, Vorführungen des traditionellen Handwerks und saisonale Veranstaltungen, etwa im Advent oder zu Ostern, stattfinden. Besuchen kann man das Erzgebirgsmuseum Lesná/Ladung täglich von 10 bis 18 Uhr.

Seit 2010 läutet zur vollen Stunde wieder eine Glocke in Lesná/Ladung. Nachdem die historische Kapelle nach dem Krieg wie die meisten Gebäude im Dorf abgerissen worden war, initiierte der Horsky Klub den Neubau nach überliefertem Vorbild. Das Innere des Turmes füllt ein dem heiligen Antonius geweihten hölzerner Altar. Die 40 Kilogramm schwere Glocke ist mit der Aufschrift „Meine Stimme als die Stimme des Lebens lassen wir klingen – den guten Menschen zur Freude – dem Erzgebirge zum Schutz” geschmückt. Worte, die Programm sein dürfen für das wiedererweckte böhmische Erzgebirge hier in Lesná/Ladung.

Text und Fotos: Olaf Seifert

www.horskyklublesna.cz/de/
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